Kunst und Religion

         Kunst und Religion

 

         Kunst und Religion haben vieles gemeinsam. Jedes Kunstwerk wird erst dann als richtige Kunst verstanden, wenn es aus tieferen Schichten kommt, vielleicht aus einer anderen Welt. Kunst berührt also etwas Unvorhersehbares. Somit entsteht ein Kunstwerk, es wird eben nicht gemacht, wobei natürlich Erfahrungen für das Entstehen eines Werkes ausschlaggebend sind. Auf welche andere Welt nun ein Kunstwerk verweist, das bleibt fraglich, da diese andere Welt nicht genau erfaßt und beschrieben werden kann. Für viele Künstler ist dieses Andere ein Teil der immanenten Welt, also nicht eine Offenbarung im theologischen Sinne.

Mir aber erscheint es möglich zu sein, dass durchaus auch Kunst eine Art von Offenbarung sein kann. Die Moderne und Postmoderne tuen sich schwer mit Jenseits, Himmel und Gott. Dies seien Dinge, die nicht empirisch beweisbar seien und, somit für den menschlichen Geist kein Gegenstand sein können. Erst recht versucht die moderne Kunst, sich nicht einer kirchlichen Doktrin zu unterwerfen. Kunst habe demnach immer auch eine Offenheit, die nicht durch Dogmen verschlossen werden darf. Doch gerade diese Offenheit könnte meines Erachtens ein Zeichen und Hinweis auf etwas Jenseitiges sein. Dass die gegenwärtigen Kirchen sehr rigide sein können, darf nicht dazu führen, theologische Offenbarungen, seit der Aufklärung immer mit der Vernunft gekoppelt,  gänzlich für unmöglich zu halten. Richtige Kunst bedient sich der Künstlerperson als Medium, d. h., das Kunstwerk läßt sich entstehen. Ich deute dies als Zeichen für eine tiefgreifende Offenbarung, die niemals Besitz des Künstlers werden kann, trotz seiner gezielten Bemühungen, eine bestimmte Technik zu erarbeiten. Freilich will ich dies nicht als Dogma verstanden wissen. Ob nun in einer Kunst etwas vom Geist einer Religion herrscht, das sollte der Betrachter selbst entscheiden. Für mich sind Gott, Jenseits, Himmel und Offenbarungen absolut positive Dinge, die menschliches Leben lebenswerter machen, weil diese der Welt Ewiges geben.

Bernward Schäfers, August 2012